Dienstag, 23. August 2011

Abschlussbericht

Mein Jahr in Ecuador ist nun zu Ende und ich befinde mich wieder in Deutschland. Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl von einen Tag auf den anderen alles Vertraute zurückzulassen, nicht nur bei der Ausreise, sondern auch beim Zurückkommen. Man hat das Bedürfnis anzukommen, zu begreifen, dass man wieder zu Hause ist, aber es gibt keinen Punkt an dem man sagen kann „Aha, jetzt bin ich gerade auch mental wieder hier angekommen“. Deswegen ist die erste Zeit nach der Ankunft immer recht merkwürdig und erscheint (mir zumindest) etwas unwirklich.
Trotz dieser Gefühle bin ich froh wieder hier zu sein.
Wenn ich jetzt mein Jahr in Ecuador Revue passieren lasse, dann wird mir bewusst, dass ich zwar einige Schwierigkeiten zu bewältigen hatte, dass es aber dennoch ein sehr schönes und wichtiges Jahr für mich war.
Mein Projekt hat mir die Möglichkeit geboten, vielen Kindern zu helfen und dafür bin ich sehr dankbar. Ich werde es sehr vermissen, dass die kleinen Drittklässler angelaufen kommen, wenn ich den Schulhof betrete und ausdauernd versuchen mich am alltäglichen Nachhausefahren zu hindern (indem sie sich auf meine Füße setzen).
Ein großer Erfolg für mich persönlich war, dass ich in einem 11-Jährigen die Begeisterung zum Lesen entfachen konnte. Ich habe den Jungs im Kurzzeitkinderheim „Mi Caleta“ abends vorm Schlafengehen Harry Potter und der Stein der Weisen vorgelesen und nach dem 5. Kapitel gesagt, wenn es ihnen gefallen hätte müssten sie selbst weiterlesen. Zwei der Jungen, die in dieser Zeit in der Caleta lebten lasen das Buch zu Ende und der eine (John Jairo) wollte sofort den zweiten Band haben. Als ich Ecuador verließ, hatte er die ersten fünf Bücher gelesen.
In Ecuador gibt es eigentlich keine Lesekultur und die Erzieher des Projekts waren auch alle sehr besorgt, dass John Jairo plötzlich so viel las und erwogen es ihm zu verbieten, das wäre ja nicht normal. Aber zum Glück waren sie damit nicht sehr konsequent.
Auch die Zeit in der ich den 15-18-Jährigen Schülern Englisch unterrichtete, war trotz totaler Erfolglosigkeit dennoch ein Erfolg. Ich schaffte es zwar in drei Monaten nicht, dass irgendjemand mehr lernte als das Verb „to be“, aber damit hatte ich das Wissen der Schüler schon deutlich gesteigert und darüberhinaus eine sehr gute Beziehung zu ihnen etabliert.
Mit meiner Gastfamilie hatte ich sehr viel Glück, insbesondere zu meiner Gastmutter hatte ich eine sehr herzliche Beziehung. Meine Gasteltern sind beide ca. 60 Jahre und leben auf dem Land etwas außerhalb von Quito. Meine Gastmutter hat, ohne mich zu fragen, direkt die Aufgabe übernommen für den hilflosen und zarten Gringo (mich) zu sorgen, angefangen beim tollen Essen (fast immer aus eigener Gartenproduktion), regelmäßigen Vorwürfen, wenn ich mir beim Restaurantbesuch mal wieder den Magen verdorben hatte über nützliche Ratschläge zu kolumbianischen Freundinnen bis zu der Tatsache, dass sie einmal die Woche um halb fünf aufstand damit ich ja nicht mitansehen müsste, wie sie ein Huhn (oder Meerschweinchen) fürs Mittagessen schlachtete.
Leider habe ich in meinem Jahr (anders als bei meinem Austausch nach Mexiko) keinen einheimischen Freundeskreis aufgebaut, was ich manchmal schade fand. Es war allerdings bei meinen Arbeitszeiten auch recht schwierig dafür Zeit zu finden. Stattdessen habe ich viel mit den anderen Freiwilligen unternommen und viel Spaß auf tollen Reisen durch Ecuador und Kolumbien gehabt.
Mein Spanisch (das ich ja während meines Austauschs nach Mexiko erlernte) ist über das Jahr natürlich besser und sogar fast akzentfrei geworden, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Jahres war, dass ich über zehn Monate Salsa-Unterricht nahm und dabei sehr viel Spaß hatte.
Das wird nun in Deutschland auch auf jeden Fall weitergeführt!
Am 1. September beginne ich in Aachen das duale Studium „Scientific Programming“ mit der Ausbildung zum Mathematisch-Technischen Softwareentwickler. Obwohl diese Richtung recht gegensätzlich zu Arbeit mit Kindern in Lateinamerika erscheint, freue ich mich sehr darauf.
Dieser Eintrag wird wohl der letzte auf meinem Blog sein und ich hoffe, dass dieser meinen Freiwilligendienst in Ecuador interessant dokumentiert.

Hasta Luego,

Fabián

Sonntag, 19. Juni 2011

Arbeit in San Lorenzo

In diesem Eintrag erzähle ich über zwei verschiedene Ereignisse: 1. Ich habe den Cotopaxi bestiegen 2. Arbeit im Projekt in San Lorenzo - eine tolle Zeit!!

1. Am 4.-5. Juni habe ich mit einem anderen Freiwilligen namens Dirk erfolgreich den 5897 m hohen Cotopaxi bestiegen. Es war ziemlich spontan.. Zwei Wochen vorher kam uns die Idee und ich stellte erschrocken fest, dass es nur noch an diesem einen Wochenende möglich war. Also buchten wir die Tour, mit Führer und allem inklusive beim Bergtourenanbieter Yanasacha in Quito. Bevor es schließlich soweit war, bestiegen wir zum Training vorher noch einen anderen 5000er, und schliefen dort in einer Berghütte auf 4800 m Höhe, und einen 4000er. Danach fühlten wir uns auch fit genug und waren guten Mutes als es schließlich am Samstag morgen um 10 im Zentrum Quitos los ging. Nach einem kräftigen Mittagessen und der Ankunft am letzten Parkplatz am Cotopaxi mussten wir dann 200 Höhenmeter zum Basislager auf 4900 m Höhe hoch laufen. Dort aßen wir zu Abend und legten uns gegen 7 Uhr hin. Um 12 Uhr Mitternacht wurden wir geweckt, frühstückten kurz und gingen schließlich um 1 Uhr morgens mit voller Montur, Kopflampe, Steigeisen, und 3 Hosen übereinander los. Nach 20 Minuten kamen wir an den Anfang des Gletschers, wo wir die Steigeisen anlegten. Danach waren es 6 unglaublich anstrengende Stunden Gletscherwandern bei völliger Finsternis und eisiger Kälte an Gletscherspalten und riesigen Eisformationen vorbei! Gegen 7 Uhr morgens kamen wir dann am Gipfel an und konnten es kaum fassen. Es war wirklich ein unglaublicher Moment, als wir begriffen, dass es nicht mehr weiter nach oben ging und den Krater des Cotopaxi unter uns liegen sahen. Wir hatten grosses Glück mit dem Wetter und Blick auf viele andere Berge um uns herum.
Der Abstieg war nochmal sehr anstrengend, und als wir schließlich unten waren fielen wir wie tot ins Auto und wachten erst wieder in Quito richtig auf.
Im Angesicht des Cotopaxi
Der Krater
Meine Gesichtszüge wollten nicht mehr so richtig


2. Ich hatte das große Glück für 2 Wochen einen anderen Teil meines Projekts kennenzulernen: Das Jugendzentrum in San Lorenzo.
San Lorenzo ist ein kleiner Ort an der Küste Ecuadors, nahe bei Kolumbien. Ecuadorianer bezeichnen es als vergessene Stadt oder "das Afrika Ecuadors". Tatsächlich ist es eine der ärmsten Städte Ecuadors und war über lange Zeit in Kolumbiens Drogenhandel und den Guerillakrieg verstrickt. Zum Glück hat sich diese Situation seit 2 Jahren verbessert. (legaler) Strom im Haus und fließendes Wasser sind dort eher die Ausnahme und viele Familien machen sich jeden Tag sorgen, was sie am nächsten essen sollen.
Dementsprechend sind Hilfsprojekte dort äußerst notwendig.
Das Jugendzentrum der Salesianer in San Lorenzo betreut etwa 300 Jugendliche, deren Familien dort Unterstützung in Form von Hausaufgaben- und Kinderbetreuung, kostenloser ärztlicher Behandlung, kostenlosen Mittagessens für die Kinder und weiteren individuellen Hilfen erhalten.
Das was mir dort im Projekt schon bei meinen vorherigen Besuchen als erstes aufgefallen war: Die Kinder kommen gerne zum Projekt. Jeden Tag füllt sich der Essenssaal bis auf den letzten Platz, man hört sehr viel Lachen, und was mich nach meiner Arbeit in Quito sehr beeindruckt hat: Es gibt sehr viel Respekt unter den Kindern und zu den Erziehern, die Kinder sagen von sich aus Danke, waschen sich die Hände vor dem Essen, helfen sich gegenseitig bei den Hausaufgaben. Es herrscht eine sehr positive Stimmung vor!
Der Tagesablauf des Projekts (der auch für mich galt):
8:00 - 12:00 --> Familienhausbesuche durch die Erzieher, welche Probleme hat welche Familie, wo kann eventuell geholfen werden. Auch Schulbesuche um zu überprüfen wie es den Kindern in der Schule geht, ob ihre Leistungen zu- / abnehmen, woran es liegt.
13:15 - 14:00 --> Mittagessen für die Kinder, vorher Hände waschen, nachher alles so hinterlassen wie vorgefunden
14:00 - 16:00 --> Hausaufgabenbetreuung
16:00 - 18:00 --> Aktivitäten wie Marimbatanz, Fußballtraining, verschiedene Kurse (Werte, Religion, Pc....)


Ich habe mich in San Lorenzo sehr sehr glücklich gefühlt. Außer dem normalen Tagesablauf haben mich die Kinder mit zum Pier genommen und am Wochenende haben wir mit unserer u10-Fussballmannschaft an einem Turnier teilgenommen und 6:1 gewonnen. Am Sonntag danach sind wir zusammen mit einem Erzieher an einen Fluss gefahren und haben dort den Tag mit schwimmen und Fußballspielen verbracht.
Ich möchte an dieser Stelle noch anfügen, dass die Spenden für das Projekt in San Lorenzo mittlerweile übergeben und für folgendes ausgegeben wurden:
- Gehalt für die Köchin
- Gefriertruhe für den Speisesaal
- Medikamente für die Kinder
- Schulmaterial
- Fußbälle, Basketbälle, Hütchen, Schienbeinschoner, Torwarthandschuhe
- kleinere Ausgaben wie eine Signalsirene für den Speisesaal

Lied während des Reliunterrichts



während der Familienbesuche


Familienbesuch




Marimbatanz-AG der Kinder


Kindergarten

Kurs: Was ist Demokratie? für die Mütter der betreuten Familien

Modelcasting nach der Hausaufgabenbetreuung

Kindergarten, den wir morgens besuchten


bereit zum großen Fußballturnier


Vorbereitung zum 4:1 Yeah!!

Sonntagsausflug zur "Guarapera"

Jonglierunterricht ;)

links: meine Bachata-Tanz-Lehrerin, rechts: meine Schuhdiebin

äusserst selbstbewusst

Salsaunterricht (natürlich bin ich der Lehrer!)

Übergabe des Schulmaterials und der Sportausrüstung für das Projekt




"Casa Don Bosco" - Mein zu hause für 2 Wochen

Mädchen waschen Shrimps

Hausbesuch

Schulbesuch


Vor dem Mittagessen Hände waschen! Auch die kleinsten

Ich bekomme ein T-Shirt vom Projekt geschenkt

Mittagessen



Computerkurs
Ich hoffe die Fotos vermitteln einen Eindruck von meiner Zeit in San Lorenzo!
Bis zum nächsten Mal,
Fabian
Achja, bald beginnt übrigens mein Ferien-/Reisemonat und am 10. August komme ich wieder in Deutschland an.

Sonntag, 8. Mai 2011

Galápagos

Letzten Mittwoch bin ich aus Galápagos zurückgekehrt! Es war eine unglaublich schöne, beeindruckende Zeit!
Ich war 8 Tage dort (Hin- und Rückflug mit einberechnet) und habe die Inseln San Cristobal, Floreana, Isabela und Santa Cruz besucht. Ich bin alleine gereist, war allerdings die ersten 5 Tage auf einer organisierten Tour mit unterschiedlichen aber ausnahmslos sehr netten Leuten. Doch ich will nicht viele Worte machen, die Fotos sind viel aussagekräftiger.
auf dem Hinflug

erster Abend

Strassen-(See)Hunde




Galapagos-Meerechse



Galapagos-Elefant


Abend auf Isla Isabela

zweitgrösster Vulkankrater der Welt - Volcan Sierra Negra

wurde hier Herr der Ringe gedreht?



Fressen Seehunde Pinguine??


bis 200 Jahre alt und 250 kg schwer (die Schildkröte)

Lavatunnel

schönster Strand: Tortuga Bay



Letzter Abend



Weisspitzenriffhai

Schnorcheln mit Haien!!

ein verspielter Seehund



Tja, wenn der letzte Bus weg ist, muss man halt an der Haltestelle schlafen